Feierlich ist die Verleihung des Otto-Rombach-Preises in Heilbronns guter Stube: Im Schießhaus ehrte Kulturbürgermeister Harry Mergel die Preisträger 2009. Neben den musikalischen Genüssen, die Friederike Friedmann auf der Altflöte und Florentine Simpfendörfer auf der Klarinette vortrugen sowie der Ballade des Nachwuchs-Autors Tilmann Lucke leistete Judith Weiner von der Schule für Gestaltung des Kolping-Bildungszentrums den einzig sichtbaren Beitrag.


Die angehende Grafik-Designerin, die im kommenden Jahr ihre Ausbildung in der Villa Nestle abschließen wird, hat auf drei großformatigen, schwarz-weißen Bildern die drei Lebenskrisen Heinrich von Kleists dargestellt. Im bildnerischen Beitrag zum Rombach-Wettbewerb, so die Vorgabe des Preisverleihers, soll der Schriftsteller Heinrich von Kleist im Mittelpunkt stehen. Wie die Philosophie von Immanuel Kant Kleists Denken anregte, aber eben auch massiv verwirrte, ist im ersten Motiv von Judith Weiners Bilderzyklus zu sehen. Auf diese erste Kleist-Krise folgt die Verbildlichung der Schaffenskrise des Dichters. Judith Weiner hat sie sinnfällig, als Porträt des Literaten aus Buchstaben umgesetzt. Grau in Grau verschwindet schließlich im dritten Bild sein Porträt in einer schier trostlosen Düsternis, das die Stimmung zeigt, in der sich der Schriftsteller befand, als er sich für den Freitod entschied.
Mithilfe von Biografien und Kleist-Briefen hat die 21-Jährige sich mit den Wendepunkten des Dichterlebens vertraut gemacht. Das Gesamtbild, das die Dreier-Reihe ergibt, wandert, wie alle Kunstbeiträge, die mit dem Rombach-Preis bedacht werden, in das Heilbronner Kleist-Sembdner-Archiv. Dort wächst eine mittlerweile stattliche Sammlung von Werken heran, die sich künstlerisch mit dem Autor Heinrich von Kleist auseinandersetzen. Die drei Arbeiten von Judith Weiner werden im nächsten Halbjahr im Kultur-Dezernat der Stadt Heilbronn ausgestellt.
Ihr Preisgeld von 750 Euro verwendet Judith Weiner als Grundstock für ihre Reisekasse, wenn sie nach ihrem Grafik-Design-Abschluss für vier Monate in einem sozialen Projekt mit Straßenkindern in New York arbeiten wird.
Info: Seit 1986 vergibt die Stadt Heilbronn den Kulturpreis, finanziert aus Geldern der Otto-Rombach-Stiftung, an Nachwuchskünstler in den Sparten Musik, Literatur und Bildende Kunst. Die Schule für Gestaltung stellte schon mehrfach die Preisträger.
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